Weltklasse im Club

So lief das Derby zwischen Mannheim und Weinheim

Autor: Tobias Becker

Das Derby zwischen Grün-Weiss Mannheim und fläsh TC Weinheim in der Tennis-Bundesliga hat den Zuschauern sicher nicht zu viel versprochen.

Ein Derby ist immer etwas Besonderes. Ein Derby hat Emotionen, schreibt Geschichten und sollte ein Erlebnis für alle sein. Am vierten Spieltag der Tennis-Bundesliga kam es zum Derby zwischen dem amtierenden deutschen Meister TK Grün-Weiss Mannheim und dem Nachbarn des fläsh TC Weinheim. Und dieses Derby in der Tennis-Bundesliga hatte ALLES, nur kein absehbares Ende. So waren sich die Mannheimer Samstagabend noch sicher, dass sie die Favoritenrolle besitzen, aufgrund einer starken Aufstellung. Aber: Als am Sonntag um 10.30 Uhr das Team offiziell bekannt gegeben werden musste, waren die zwei Top-Spieler noch nicht da. Die Lufthansa machte Grün-Weiss einen Strich durch die Rechnung, da Flüge mehrfach verschoben wurden und Pedro Martínez und Tobias Kamke erst gegen 11 Uhr in Frankfurt landeten – zu spät. Die Favoritenrolle wechselte somit zu Weinheim, die mit Thomas Fabbiano und Andrea Arnaboldi sogar noch zwei Italiener überraschend auspackten und dadurch an allen Positionen laut ATP-Weltrangliste weitaus stärker waren. Aber: Der Tag war einfach nicht planbar.

Mannheim überrascht Weinheim, Peña López mit Einstand nach Maß

Das zeigten dann gleich die ersten beiden Einzel. Mannheims Andreas Beck gegen Weinheims Kapitän Frank Wintermantel gehört zum Derby der beiden Teams genauso dazu wie die 3700 Zuschauer, die schon zum dritten Mal bei diesem Aufeinandertreffen mitfieberten. Wintermantel begann stark, breakte Beck gleich zum 2:0 im ersten Satz, aber der Mannheimer drehte auf und holte letztendlich den ersten Punkt für Grün-Weiss (6:4, 6:3). Auf dem Center Court ging ebenfalls die Post ab. Mannheims Neuzugang Manuel Peña López feierte seine Bundesliga-Premiere gegen Arnaboldi. Der Weinheimer Italiener konnte den ersten Durchgang für sich entscheiden (6:3), musste den zweiten Satz jedoch abgeben (3:6) – Match-Tie-Break! Der SAP Center Court bebte, die Spieler zeigten Weltklasse-Tennis und am Ende behielt der wieder Grün-Weiss die Oberhand. Beim Blick auf die Weltrangliste überraschend, steht Arnaboldi doch 378 Plätze weiter vorne. Aber: Das ist Bundesliga.

Fabbiano und Arnaboldi drehen auf

Nun war für die Gäste aus Weinheim noch nichts verloren, kamen doch noch zwei Einzel. Aber: Es sah ganz nach zwei weiteren Überraschungen aus. Robin Kern und Jeremy Jahn konnten für Mannheim jeweils den ersten Satz gegen Luca Vanni und Fabbiano gewinnen. Die Favoritenrolle lag nun wieder bei Mannheim. 2:0-Führung, zweimal den ersten Satz gewonnen. Aber fläsh TC Weinheim gab sich nicht auf und kämpfte sich zweimal in den Match-Tie-Break, wobei vor allem Fabbiano auf dem Center Court gegen Jahn kaum noch Fehler machte, obwohl Jahn zum Matchgewinn servierte. Lange, spektakuläre Ballwechsel waren an der Tagesordnung. Am Ende – und wie sollte es an diesem Tag anders sein – gewann Vanni gegen Kern (4:6, 7:5, 10:8) und Fabbiano gegen Jahn, der sogar noch einen Matchball hatte (3:6, 7:6, 12:10). Ausgleich zum 2:2 vor den Doppeln also. Das Ende war wieder völlig offen. Glück aus Mannheimer Sicht: Der „verschollene“ Martínez war seit 12.30 Uhr in Mannheim und durfte somit in den Doppeln ran.

Ein gerechtes Ergebnis und viele Gewinner

Gemeinsam mit Beck setzte er sich relativ problemlos gegen die Weinheimer Kombi Arnaboldi/Moritz Baumann durch (6:4, 6:1) und sicherte dem Außenseiter laut Papierform den Punkt. Ähnlich deutlich sah es auf dem anderen Platz lange Zeit aus. Das italienische Duo Vanni/Fabbiano ließ Kern/Peña López im ersten Satz nicht den Hauch einer Chance (6:0). Im zweiten Satz servierten die Weinheimer zum Matchgewinn und somit 3:3, aber: Das Mannheimer Doppel breakte im entscheidenden Moment. Die Zuschauer bekamen ein letztes Mal an diesem Tag also eine Zugabe: Tie-Break im zweiten Satz! Da setzte sich Weinheim dann letztendlich verdient durch – und sicherte sich das 3:3.

Das Unentschieden war letztendlich durchaus gerecht. Gewinner gab es dennoch! Wie vor dem Spiel schon absehbar war, kamen die Zuschauer auf ihre Kosten. Neue Publikumslieblinge wurden geboren, manch ein graues Haar ist gewachsen und die Erinnerung an einen denkwürdigen Tag bleibt sicher noch lange erhalten. Die Vorfreude auf das Derby 2020 ist schon jetzt sicher groß.