Weltklasse im Club

Rekordkulisse mit 4500 Zuschauern in Mannheim

Autor: Astrid Wagner

"Das war heute Davis Cup-reif!" Weinheims Teamchef Jürgen Kadel brachte es auf den Punkt. Vor einer Rekordkulisse von rund 4500 Zuschauern stieg am Sonntag das Derby in der Metropol-Region Rhein-Neckar: fläsh TC Weinheim 1902 gegen TK GW Mannheim. Bereits im Vorjahr waren es an gleicher Stelle über 3500. Doch diesmal gab´s ein ganz besonderes Schmankerl oben drauf: Dominic Thiem kam und sorgte für einen Run auf Tickets, wie es ihn nur selten gibt in der Bundesliga. Sogar aus Österreich kamen gleich sieben Fan-Busse nach Mannheim gefahren.


Umso richtiger erwies sich die Entscheidung der Weinheimer, ihr eigentliches Heimspiel am Neckarplatt auszutragen, wo mehr als viermal so viele Zuschauer einen Platz finden als auf der Heim-Anlage an der Bergstraße. Auf dem Centercourt war um 11 Uhr jeder einzelne Platz besetzt, ebenso jeder Zentimeter Wiese auf der Gegenseite der Haupttribüne. Bereits um halb 10 hatten die ersten dort ihre Plätze eingenommen. Als Moderatorin Astrid Jacoby wie gewohnt zum Weinheimer Heimspiel begrüßte, herrschte tatsächlich zu etwas wie Davis-Cup-Atmosphäre. 


Und wer dachte, der Weltranglisten-Neunte Thiem mache kurzen Prozess mit Weinheims Nummer 1 , dem Australier John Millman, der wurde ganz schnell eines Besseren belehrt. Millman war schon im Vorfeld richtig heiß auf das Match. Die Zuschauer sahen eine mitreißende und hochklassige Partie, in der der Australier den ersten Satz sensationell mit 7:5 gewinnen konnte. In Durchgang 2 blieb Thiem in den entscheidenden Situation cool und brachte ihn mit 6:4 unter Dach und Fach. Ein wenig undankbar, dass bei so einem Match, dann der Championstiebreak über Sieg und Niederlage entscheiden musste. Zwei, drei Bälle waren es am Ende, die den Unterschied und Thiem zum Sieger machten. Die Zuschauer waren begeistert - eine bessere Werbung für den Tennissport und die Tennis-Bundesliga wie am Sonntag konnte es nicht geben.


Auf dem Nebenplatz hatte Weinheims Frank Wintermantel nach insbesondere im ersten Satz sehr gutem Spiel mit 6:7, 1:6 das Nachsehen. Mannheims Peter Gojowzyk (ATP 40) spielte auf dem Centerourt sehr gut auf und gewann gegen einen Thomas Fabbiano, der nicht ganz so frisch schien, wie noch vor Wochenfrist, als er Albert Ramos-Vinolas in Gladbach bezwang. Und auch Weinheims langer Italiener Luca Vanni, der in dieser Saison bis dahin noch keines seiner Einzel verloren hatte, war ein wenig müde, zudem fehlte ein wenig Fortune im Satztiebreak des ersten Durchgangs gegen Mannheims Gerald Melzer. So waren die Mannheimer bereits nach den Einzeln ihrer Mission "Deutsche Meisterschaft" einen Schritt näher gekommen. 


Kurz nach dem Start der Doppel gab es eine zweistündige Regenunterbrechung. Wer geblieben war, der erlebte dann zwei hochklassige und unterhaltsame Partien: Auf dem Centercourt überraschten Weinheims Jonas Lütjen und Daniel Müller. Sie forderten die haushohen Favoriten Gerald Melzer/ Andi Beck und gewannen sogar den ersten Satz. Am Ende hatte das Mannheimer Duo die Nase vorn. Für den hochverdienten Ehrenpunkt sorgten die beiden Weinheimer Doppelasse Alex Peya und Florin Mergea. Mit Peya stand immerhin der amtierende Wimbledon-Sieger im Mixed auf dem Platz. Die beiden trafen auf Tobi Kamke und Robin Kern, das eingespielte Duo auf Mannheimer Seite. Um 20:07 Uhr konnten die Weinheimer die Arme hochreißen und sich freuen. 


Ein wenig traurig, dass die Niederlage mit 1:5 etwas zu hoch ausgefallen war, waren die Weinheimer schon. Doch alle waren sie begeistert von der großartigen Atmosphäre. Mit einem Sieg hatte angesichts der Mannheimer Aufstellung sowieso keiner gerechnet. Es war ein gelungenes Tennis-Fest in der Region, das fand auch Mannheims Teamchef Gerald Marzenell. Und die Tennis Bundesliga wurde einmal mehr ihrem Ruf gerecht, die beste Tennis Liga der Welt zu sein.