Weltklasse im Club

Neuss am Samstag in Halle

Autor: Frank Hofen

Am bevorstehenden Wochenende endet die Saison der 1. Tennis-Point Bundesliga der Herren und erstmals in der 47-jährigen Geschichte findet ein Doppelspieltag mit Samstag (11. August) und Sonntag statt. Fakt ist auch, dass der aktuelle Tabellenführer Grün-Weiss Mannheim aus den anstehenden zwei Begegnungen nur noch einen Punkt benötigt, um das GERRY WEBER-Team BW Halle als Deutschen Mannschaftsmeister abzulösen.

Zunächst haben die Ostwestfalen, die hinter den Badenern auf dem zweiten Platz logieren, am Samstag mit Blau-Weiss Neuss einen Gegner, den man durchaus als Dino der Liga bezeichnen kann. Die Niederrheiner kommen auf 37 Jahre Zugehörigkeit und in dieser Epoche wurden sie zehn Mal Deutscher Meister und gewannen 1998 sogar den Europapokal. Dies alles hat zu der damaligen Zeit der Förderer und Mäzen „Elu“ Hansmann ermöglicht, der vor vier Jahren als 76-Jähriger verstarb.

An diese erfolgreiche Zeit wollen die Neusser mit dem Namen >Ewige Liebe< erinnern, die im vergangenen Jahr wieder ins Oberhaus aufgestiegen sind. Und drinbleiben ist für den Aufsteiger um den früheren Bundesligaspieler und heutigem Teamchef Marius Zay Pflicht. Es bleibt abzuwarten, wie dieses Unterfangen enden wird, denn derzeit sind sie mit 4:10 Punkten Tabellenvorletzter vor Reutlingen und hinter Kölner THC Stadion Rot-Weiss, die die gleiche Punktzahl aufzuweisen haben. „Wir sind nach dem ersten Spieltag mit dem zehnten Platz richtig durchgestartet und stehen nun auf Rang zwei“, so Halles Teamchef Thorsten Liebich, „und diesen Platz wollen wir auch verteidigen.“ Insofern werden sich die Blau-Weissen entsprechend spielstark ihrem Heimpublikum präsentieren.

Munoz-de la Nava legt Familienurlaub ein

Wer das GERRY WEBER-Team anführen wird, ist derzeit noch nicht klar. Jan-Lennard Struff (ATP 56) und Tim Pütz (ATP 290) sind noch beim ATP-Challenger in Großhesselohe im Geschäft. Sollte Struff, der bei den Isar Open an eins gesetzt ist, ausfallen, ist Daniel Munoz-de la Nava der Leader des Teams. Der Spanier verbringt derzeit mit Ehefrau Lucia sowie seinen zwei Töchtern Paula und Noe eine Woche Urlaub in Ostwestfalen und hat Familienausflüge in den Safaripark nach Schloß Holte-Stukenbrock oder in den Bielefelder Tierpark nach Olderdissen unternommen. Das Dabeisein seiner Familie hat ihn anscheinend beflügelt, wie am vergangenen Sonntag bei seinem Sieg gegen Reutlingen zu sehen war. Dahinter könnte am Samstag dann Tim Pütz bzw. der Niederländer Thiemo de Bakker (ATP 216), Jeremy Jahn (ATP 436) und der Russe Aslan Karatsev (ATP 399) folgen.

Dieses aktuelle Haller Team hat in den vergangenen Wochen bewiesen, wie spielstark es ist. Das gilt insbesondere für den 28-jährigen Jeremy Jahn, der sich in seinem zweiten ostwestfälischen Jahr zu einer sehr guten spielerischen Verstärkung entwickelt hat. Seine 7:2-Bilanz, dabei in vier Einsätzen im Doppel siegreich, hat ihm viel Selbstvertrauen gegeben. „Ich hoffe, diesen Schwung mit auf die Tour nehmen zu können", so der aus München stammende Jahn, „denn wenn ich die Spieler auch weiterhin schlagen kann, die ich in der Bundesliga besiegen konnte, dann ist ein Ranking um 200 auf der Weltrangliste durchaus greifbar.“

Während sich das GERRY WEBER-Team aus routinierten und erfahrenen Profis zusammensetzt, reisen die Neusser mit einer jungen Mannschaft Anfang der 20er Jahre an. So ist der Tscheche Zdenek Kolar (ATP 219) ebenso 21 Jahre jung wie der dahinter platzierte Spanier Bernabe Zapata Miralles (ATP 280). Ein Jahr älter ist der mit einem deutschen Pass ausgestattete Niederländer Botic van der Zandschulp (ATP 548) und noch ein Jahr älter ist dessen Landsmann Niels Lootsma (ATP 1023) aus der historisch alten Universitätsstadt Groningen.

 

Bildzeile: In seinem zweiten Jahr im GERRY WEBER-Team BW Halle hat sich Jeremy Jahn zu einer spielerischen Verstärkung entwickelt. © Olaf Sorge (Blau-Weiss Halle)