Weltklasse im Club

GERRY WEBER-Team BW Halle bleibt Tabellenzweiter

Autor: Frank Hofen

Der Zuspruch zum letzten Heimspiel des GERRY WEBER-Team BW Halle in der 1. Tennis-Point Bundesliga war am Samstag mit 1.700 Zuschauern doch sehr zufriedenstellend. Zu Gast war der >Dino der Liga< aus der niederrheinischen Domstadt Neuss. Der von Abstiegssorgen geplagte Tabellenvorletzte >Ewige Liebe< verkaufte sich so teuer wie möglich, doch unterm Strich gab es nichts zu holen. Der fünffache Deutsche Mannschaftsmeister aus Ostwestfalen führte bereits nach den Einzeln uneinholbar mit 4:0.

In den Doppeln verbesserten die Gäste zwar das Resultat, doch außer der Ergebniskorrektur stand auf dem Spielbericht für sie eine deutliche 1:5-Niederlage. „Ich kann mich da nur wiederholen“, so Halles Teamchef Thorsten Liebich, „was ich bereits in den vergangenen Wochen immer gesagt habe: nach der Auftaktniederlage in Düsseldorf hat die Mannschaft Moral gezeigt. Egal wer gespielt hat, sie alle haben großartiges Tennis gezeigt, Siege geholt und uns verdientermaßen auch so den zweiten Tabellenplatz erspielt.“

Für die Begegnung des Titelverteidigers gegen den Altmeister aus Neuss musste Teamchef Thorsten Liebich auf seine deutsche Nummer eins, Jan-Lennard Struff (ATP 56), verzichten. Der trat zeitgleich beim ATP-Challenger in Pullach (vor den Toren München) im Halbfinale gegen den Kitzbühel-Sieger Martin Klizan an und besiegte den Slowaken mit 6:4, 6:4. Der 29-jährige deutsche Davis-Cup-Spieler bestreitet morgen das Finale gegen den 30-jährigen Portugiesen Pedro Sousa. Da die Haller Gastgeber auch Tim Pütz, der in Pullach bis Freitag im Doppel mit Matthias Bachinger im Geschäft war, eine Pause für das Einzel gönnte, trat das GERRY WEBER-Team mit Daniel Munoz-de la Nava (ATP 335), Thiemo de Bakker (ATP 216), Jeremy Jahn (436) und Aslan Karatsev (ATP 439) zu den vier Einzeln an.

Der seit geraumer Zeit sich in bester Verfassung präsentierende Jeremy Jahn hatte keine Probleme gegen den Niederländer Botic van der Zandschulp (ATP 548) und fuhr den ersten Punkt mit einem 6:3, 6:4-Sieg ein. Einige Anlaufprobleme hatte der 24-jährige Russe Aslan Karatsev gegen den fast zehn Jahre älteren Routinier Adrian Ungur (ATP 571), doch als die Haller Nummer vier den ersten Satz im Tiebreak gewonnen hatte, war die Spielkunst bei dem Rumänen dahin und mit 7:6(3), 6:1 erhöhte der Gastgeber auf 2:0.

Ausgeglichen war vor allem im ersten Satz die Auseinandersetzung zwischen Daniel Munoz-de la Nava und dem 15 Jahre jüngeren Tschechen Zdenek Kolar (ATP 219), die variantenreiches Tennis boten. Der 36-jährige Spanier war letztlich der sicherere Akteur auf der roten Asche, so dass der Linkshänder den ersten Satz auf seiner Habenseite buchen konnte. Als zu Beginn des zweiten Durchgangs Kolar einen sprachlichen Disput mit dem Stuhlschiedsrichter Björn Bork (Kiel) hatte, brachte ihn das derart aus dem Rhythmus, dass der Madrilene mit 6:4, 6:1 den dritten Punkt beisteuern konnte.

Um einiges länger dauerte die Begegnung an Nummer zwei, zwischen dem Niederländer Thiemo de Bakker und Bernabé Zapata Miralles (ATP 280), an. Es war ein Grundlinienduell bester Qualität und dabei konnte der erst 21 Jahre alte Spanier sehr gefallen. Körperlich wirkte er nicht unbedingt austrainiert, doch das täuschte gewaltig. So sehr auch der aus Den Haag stammende niederländische Davis-Cup-Spieler die Bälle rechts und links platzierte, der aus Valencia stammende Jungprofi erlief alles und retournierte entsprechend platziert. Zwei Durchgänge wurde den Zuschauern unterhaltsames Tennis geboten, so dass die Entscheidung im Match-Tiebreak fallen musste. Zunächst erspielte sich de Bakker einen deutlichen Vorsprung, doch der Spanier fightete sich unerbittlich zum jeweiligen 7:7-Zwischenstand. Das Tragische an dieser Partie war dann letztlich, dass Zapata Miralles drei Doppelfehler in Folge produzierte, so dass das 6:4, 5:7, 10:7 Resultat am Ende de Bakker den Sieg und dem Deutschen Meister den uneinholbaren Vorsprung einbrachte.

Den Ehrenpunkt für Neuss holte deren Duo Zdenek Kolar/Benabé Zapata Miralles (war dann auch für den Spanier ein wenig Balsam für die unglückliche Einzelniederlage) in zwei Sätzen gegen de Bakker/Pütz. Schlussendlich gewannen Jeremy Jahn und Aslan Karatsev mit 6:7(6), 6:3, 10:3 gegen die Paarung Botic van der Zandschulp/Frederik Nielsen. Schon kurz darauf machten sich die Ostwestfalen nach Aachen auf.

Bildzeile: Mit (stehend von links) Aslan Karatsev, Thomas Dappers (Coach), Thiemo de Bakker, Tim Pütz, Jeremy Jahn sowie (kniend von links) Daniel Munoz-de la Nava, Teamchef Thorsten Liebich und Kolja Herrmann (Physiotherapeut) bestreitet das GERRY WEBER-Team BW Halle seine beiden letzten Spiele in der 1. Tennis-Point Bundesliga. Am Samstag (11. August) gab es einen 5:1-Sieg gegen Tennis Ewige Liebe Neuss und am sonntäglichen letzten Spieltag (12. August) hat der Deutsche Meister und Titelverteidiger bei Kurhaus Lambertz Aachen anzutreten. © Kurt Vahlkamp (Blau-Weiss Halle)

Jeremy Jahn

Hat Grund zur Freude: Jeremy Jahn erhöhte am heutigen 8. Spieltag seine Bundesliga-Bilanz in dieser Saison auf 9:2. © Blau-Weiss Halle (Olaf Sorge)