Weltklasse im Club

Drama und Spannung pur beim Remis gegen Köln

Autor: Astrid Wagner

Nichts für schwache Nerven war die Bundesliga-Begegnung zwischen dem fläsh TC Weinheim 1902 und dem Kölner THC Stadion Rot-Weiß am Sonntag. Die Kölner waren  stark an die Bergstraße gereist. Einer zog ganz besonders die Blicke auf sich: Dustin "Dreddy" Brown. Doch Weinheims Luca Vanni ließ sich vom Glamour um den "Rasta-Man" nicht beeindrucken. Zweimal hatte er bereits gegen Brown gespielt und verloren, ein drittes Mal ließ er sich die Butter nicht vom Brot nehmen. Der Aufschlag kam, er spielte - wie er selbst sagte - sehr solide und machte kaum leichte Fehler. Auch als Brown im Satztiebreak des zweiten Durchgangs nach einer 4:0-Führung für Vanni auf 4:4 herankam, ließ sich der lange, so kampfstarke  Italiener auch von den vielen Stopps und Tempowechseln seines wie immer unorthodox spielenden Gegenübers nicht beirren: 6:4, 7:6. Punkt für Weinheim.


Großes Pech hatte dagegen Kapitän Frank Wintermantel, der gegen den Belgier Kimmer Coppejans schon 5:3 führte. Er verletzte sich am Knie, versuchte unter Schmerzen weiterzuspielen, musste dann aber aufgeben. Casper Ruud fand diesmal nicht ganz zu seinem Spiel vom Freitag, hatte es aber auch mit einem ganz besonders gut aufgelegten Oscar Otte zu tun. Zwar rettete er sich nach verlorenem ersten Satz in den Matchtiebreak, musste sich dort am Ende aber geschlagen geben. Und weil auch Benni Becker gegen den Kolumbianer Santiago Giraldo, die ehemalige Nummer 28 derWelt, nicht viel ausrichten kommen, hieß es 1:3 und die Ausgangslage für die Weinheimer vor den Doppeln war denkbar schlecht.


Doch kaum einer der mehr als 800 Zuschauer ging nach Hause. Als sich dann Kölns Otte beim Einspielen für das Doppel am Rücken verletzte und nicht spielen konnte, stand es 2:3. Becker/Lütjen mussten es also richten - im ersten Doppel wären Vanni/Mergea zum Einsatz gekommen. Gegen Dustin Brown und den Doppelspezialisten Andreas Mies sahen beide schnell wie die sicheren Verlierer aus. Aber dann zeigte sich, was Teamspirit bewegen kann. Beide mobilsierten zusätzliche Kräfte, holten sich unter dem Jubel der Fans den zweiten Satz. Insbesondere Lütjen wuchs im Championstiebreak über sich hinaus. Es war so spannend, dass man zeitweise eine Stecknadel hätte zu Boden fallen hören können. Dann wieder anfeuernde Rufe und rhythmisches Klatschen. Beim Matchball zum 10:7, der das  Remis bescherte, brandete verdient großer Beifall auf.


In der Bundesliga marschiert Grün-Weiß Mannheim wohl einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg entgegen. Die Krefelder liegen mit 8:4 auf dem zweiten Rang, dahinter kommt ein Trio mit 7:5 Zählern, zu dem auch die Weinheimer gehören. Rein rechnerisch ist damit der Klassenerhalt noch immer nicht gesichert, denn in den verbleibenden drei Partien sind noch sechs Punkte zu vergeben. Für die Weinheimer geht es am kommenden Sonntag nach Halle.