Weltklasse im Club

Den Superstar ins Schwitzen gebracht

Autor: Astrid Wagner

Paris/Weinheim. „Roger, ich hab dich noch nie schwitzen sehen“, rief ein Fan nach Federers French-Open-Match gegen den norwegischen Youngster Casper Ruud vom Tennis-Bundesligisten fläsh TC Weinheim 1902. „Ich weiß auch nicht, was das soll. Ich glaube, ich werde alt“, konterte die Schweizer Nummer 3 der Weltrangliste. Es könnte aber auch daran gelegen haben, dass der 20-jährige Ruud dem Schweizer Tennisstar im dritten Satz der Drittrunden-Partie ordentlich hat Paroli bieten können. Drei Matchbälle wehrte der Norweger im Tiebreak ab, sogar einen Satzball hatte der 20-Jährige. Am Ende verwandelte Federer den vierten Matchball zum 6:3, 6:1 und 7:6 (10:8) und zog damit ins Achtelfinale ein.

Trotzdem: Casper Ruuds French-Open-Bilanz dürfte auf jeden Fall positiv ausfallen. Zwei großartige Siege gegen Ernests Gulbis aus Lettland und den gesetzten Matteo Berrettini aus Italien hatten ihn in die dritte Runde gebracht. Siege, die gezeigt haben, dass der junge Norweger sich in den zurückliegenden zwölf Monaten immens weiterentwickelt hat.

In den ersten beiden Sätzen gegen Roger Federer konnte Ruud sein Potenzial allerdings bei Weitem nicht abrufen. In gut einer Stunde gingen die beiden Durchgänge rasend schnell vorüber. Zu dominant war der Schweizer, zu beeindruckt schien der Spieler des TC Weinheim 1902 von seinem Gegenüber und der Kulisse auf dem Court Suzanne Lenglen. Im dritten Durchgang nutzte Ruud dann eine Schwächephase seines Kontrahenten und breakte ihn zum 2:0. Zwar konnte Federer schnell wieder zum 2:2 ausgleichen, doch Ruud hielt dagegen und gestaltete das Match offen. Zweimal zwang er den Schweizer bei dessen Aufschlag zum 40 beide, konnte dann aber im entscheidenden Moment nicht zulegen.

Beim 6:4 im Tiebreak hatte Federer die ersten beiden Matchbälle, doch erst den vierten konnte er zum 10:8 in seinem 400. Grand-Slam-Match verwandeln. Federer geizte am Ende nicht mit Komplimenten für das aufstrebende norwegische Talent: „Der dritte Satz hätte auch verloren gehen können. Es war gut zu sehen, wie sehr er (Casper Ruud) sich reingehängt hat.“ Federer lobte Ruuds „großartige Einstellung“.

Der Norweger, der seit dem vergangenen Jahr in der Tennis-Akademie von Rafael Nadal auf Mallorca trainiert, hat ein sehr besonnenes und ruhiges Auftreten. Während die French Open nun ohne Weinheimer Spieler in die zweite Woche gehen, bereiten die sich auf die nächsten Turniere vor. Wimbledon steht vor der Tür.

Also geht es für viele jetzt für ein Intermezzo von der roten Asche auf den Rasen. Weinheims Nummer eins John Millman etwa hat nach seiner knappen Fünf-Satz-Niederlage gegen Alexander Zverev in Paris nun für den Mercedes Cup in Stuttgart gemeldet, der am 9. Juni beginnt. Astrid Wagner/Weinheimer Nachrichten vom 3.6.2019